Ein Praktikum mit Herz: Eine junge Frau kehrt zur Stiftung zurück

Schon während ihrer Schulzeit absolvierte sie ein Praktikum in unserer Stiftung. Jetzt, Jahre später, ist sie als Studentin zurückgekehrt – nicht, weil es ihr Studium erfordert, sondern aus tiefer Überzeugung. Ihr Wunsch war es, erneut in den Alltag unserer Tagesbetreuung einzutauchen und sich den Herausforderungen und berührenden Momenten des Umgangs mit demenziell erkrankten Menschen zu stellen.

Die Entscheidung zur Rückkehr

Die junge Frau wusste bereits aus ihrer ersten Erfahrung, dass der soziale Bereich ihr besonders am Herzen liegt. Obwohl ihr Studiengang keine direkte Verbindung zur Pflege oder Betreuung hat, war es ihr wichtig, mehr über die Lebensrealität älterer Menschen zu erfahren. Sie wollte verstehen, wie Demenzkranke ihre Umwelt wahrnehmen und welche Unterstützungsmöglichkeiten es für sie gibt. Gleichzeitig wollte sie herausfinden, ob sie selbst langfristig für eine Tätigkeit in diesem Bereich geeignet wäre.

Ein Alltag voller Herausforderungen und berührender Momente

Die Zeit in der Tagesbetreuung war intensiv und abwechslungsreich. Jeder Tag war geprägt von der Notwendigkeit, flexibel auf die Bedürfnisse der Gäste einzugehen. Besonders beeindruckt war sie von der Herzlichkeit und Ehrlichkeit der Menschen: Trotz ihrer Einschränkungen halfen sich die Gäste gegenseitig, lachten miteinander und teilten Erinnerungen – oder eben das, was davon geblieben ist.

Ein besonderer Moment blieb ihr besonders im Gedächtnis: Ein Gast, der morgens immer als Erster ankommen wollte, entwickelte mit ihr eine kleine Routine – ein Wettrennen zur Tür. Diese vermeintliche Kleinigkeit zeigte ihr, wie wichtig selbst einfache Rituale für Menschen mit Demenz sein können. Ebenso bewegend war die Situation, in der sie einer frierenden Dame eine Decke umlegte. Mit einem dankbaren Lächeln flüsterte die ältere Frau: „Danke, Mama.“ Ein Zeichen dafür, dass Geborgenheit manchmal in den kleinsten Gesten liegt.

Lernen, Empathie zu leben

Eine der größten Herausforderungen war es, klare Grenzen zu setzen, ohne die Würde der Gäste zu verletzen. Gerade im Umgang mit Demenzkranken kann es vorkommen, dass Nähe missverstanden wird. Situationen, in denen sie behutsam erklären musste, warum bestimmte Berührungen nicht in Ordnung sind, erforderten Fingerspitzengefühl und Geduld. Solche Erfahrungen stärkten nicht nur ihre sozialen Kompetenzen, sondern auch ihr Selbstbewusstsein im Umgang mit schwierigen Momenten.

Durch die enge Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen erkannte sie, wie wichtig ein einfühlsames und strukturiertes Betreuungskonzept ist. Jede noch so kleine Reaktion der Gäste konnte Aufschluss über ihren Gemütszustand geben. Sie lernte, wie wertvoll es ist, auf nonverbale Signale zu achten und darauf basierend das Tagesprogramm anzupassen. So wurde nicht nur die körperliche und geistige Fitness der Gäste gefördert, sondern auch eine Atmosphäre der Geborgenheit geschaffen.

Eine Erfahrung, die bleibt

Auch wenn das Praktikum beendet ist, wird diese Zeit einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Sie hat gelernt, dass die Arbeit mit Demenzkranken weit über einfache Betreuung hinausgeht – es geht darum, ihnen Würde, Respekt und Freude am Alltag zu ermöglichen. Sie nimmt nicht nur wertvolle zwischenmenschliche Erfahrungen mit, sondern auch die Erkenntnis, dass kleine Gesten Großes bewirken können.

Für junge Menschen, die über ein Praktikum oder ehrenamtliches Engagement in diesem Bereich nachdenken, hat sie einen klaren Rat: Wer sich darauf einlässt, wird nicht nur anderen helfen, sondern auch persönlich wachsen. Es braucht Geduld, Offenheit und Empathie – doch die Dankbarkeit, die man zurückbekommt, ist unbezahlbar.

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