Demenz bei Frauen: Warum sie häufiger betroffen sind und was das bedeuten kann

Demenz ist in erster Linie eine Alterskrankheit – das Risiko, daran zu erkranken, steigt mit zunehmendem Lebensalter deutlich an. In Deutschland waren im Jahr 2023 rund 1,73 Millionen Menschen über 65 Jahren an Demenz erkrankt. Auffällig: etwa zwei Drittel davon waren Frauen.

Oft wird dieses Ungleichgewicht mit der höheren Lebenserwartung von Frauen erklärt. Doch das greift zu kurz. Denn auch bei gleichaltrigen Männern und Frauen zeigt sich, dass die Erkrankung bei Frauen häufig weiter fortgeschritten ist. Was steckt dahinter?

Mögliche Risikofaktoren speziell für Frauen

Forschende vermuten, dass verschiedene biologische, medizinische und soziale Faktoren eine Rolle spielen könnten:

  1. Hormonelle Veränderungen
    Der Östrogenspiegel sinkt in der Menopause deutlich ab und genau dieser Rückgang wird mit einem erhöhten Demenzrisiko in Verbindung gebracht. Neue Studien deuten darauf hin, dass eine Therapie mit Estradiol-Präparaten möglicherweise einen vorbeugenden Effekt auf Alzheimer haben könnte. Hier ist jedoch noch weitere Forschung notwendig.
  2. Herz-Kreislauf-Erkrankungen
    Nach der Menopause steigt bei vielen Frauen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck oder Typ-2-Diabetes – beides Erkrankungen, die auch mit einem erhöhten Risiko für Demenz in Verbindung stehen. Besonders Frauen mit einer Variante des sogenannten ApoE4-Gens sind hier gefährdet.
  3. Ungleiche Forschungslage
    Viele klinische Studien berücksichtigen geschlechtsspezifische Unterschiede nicht ausreichend. Ein Beispiel: Das neue Alzheimer-Medikament Leqembi zeigt bei Frauen deutlich weniger Wirkung als bei Männern – ein Hinweis darauf, wie wichtig gezielte Forschung auch in Bezug auf Geschlechterunterschiede ist.
  4. Sozioökonomische Einflüsse
    Auch soziale Faktoren spielen eine Rolle. Frauen waren historisch gesehen häufiger benachteiligt in Bildung und medizinischer Versorgung – zwei Aspekte, die sich langfristig auf die kognitive Gesundheit auswirken können.

Was bedeutet das für Prävention und Forschung?

Die Erkenntnisse zeigen, dass Demenz nicht nur eine Frage des Alters ist, sondern auch des Geschlechts. Für eine wirksame Prävention und Therapie braucht es daher einen differenzierten Blick – auf biologische Unterschiede ebenso wie auf soziale Rahmenbedingungen.

Fazit: Wenn wir Demenz wirksam bekämpfen wollen, müssen wir verstehen, warum Frauen häufiger betroffen sind und daraus gezielt medizinische und gesellschaftliche Konsequenzen ziehen.

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