Die verschiedenen Formen der Demenz – und wie sie sich im Alltag zeigen können

Demenz ist kein einzelnes Krankheitsbild, sondern ein Sammelbegriff für unterschiedliche Erkrankungen des Gehirns, die das Denken, Verhalten und die Persönlichkeit eines Menschen verändern können. Während Alzheimer die bekannteste Form ist, unterscheiden sich andere Demenzformen deutlich in Verlauf, Symptomen und Alltagsherausforderungen. Dieser Beitrag stellt die drei häufigsten Demenzformen vor – Alzheimer-Demenz, Frontotemporale Demenz (FTD) und Lewy-Körper-Demenz – und zeigt anhand konkreter Beispiele, wie sich das Verhalten betroffener Menschen verändern kann.

1. Alzheimer-Demenz

Die Alzheimer-Krankheit ist die häufigste Demenzform. Sie beginnt meist schleichend und betrifft zunächst das Gedächtnis und die Orientierung.

Typische Veränderungen:

  • Gedächtnisverlust (insbesondere für neue Informationen)
  • Probleme, sich zeitlich oder örtlich zu orientieren
  • Wortfindungsstörungen
  • Wiederholen derselben Fragen oder Geschichten
  • Rückzug aus Aktivitäten

Alltagsbeispiele:
„Wo habe ich den Schlüssel hingelegt?“ – Während jeder mal etwas verlegt, erkennt eine Person mit beginnendem Alzheimer den Schlüssel oft nicht mehr als ihren eigenen Gegenstand oder findet ihn an völlig unpassenden Orten wieder (z. B. im Kühlschrank). Beim Kochen vergisst die Person plötzlich die Reihenfolge der Schritte oder dass der Herd eingeschaltet ist. Beim Spazieren gehen wird eine vertraute Umgebung fremd, und die Person findet den Weg nach Hause nicht mehr.

2. Frontotemporale Demenz (FTD)

Die Frontotemporale Demenz tritt häufig früher auf als Alzheimer (oft zwischen 45 und 65 Jahren). Hier stehen Veränderungen in Persönlichkeit, Verhalten und Sprache im Vordergrund – nicht das Gedächtnis.

Typische Veränderungen:

  • Verlust sozialer Hemmungen
  • Impulsives oder unpassendes Verhalten
  • Starker Drang zu Routinen oder Ritualen
  • Veränderter Essensstil (z. B. Vorliebe für Süßes oder zwanghaftes Essen)
  • Sprachprobleme oder Sprachverarmung

Alltagsbeispiele:

Eine eigentlich sehr höfliche, zurückhaltende Person kritisiert plötzlich lautstark Fremde oder macht unpassende Bemerkungen ohne Absicht, jemanden zu verletzen. Ein Betroffener isst eine ganze Packung Kekse auf einmal, obwohl er vorher nie Süßes mochte. Eine Führungskraft hält Meetings nicht mehr durch, sie steht mitten im Gespräch auf, wirkt desinteressiert oder verhält sich grenzüberschreitend, ohne es zu merken. Der Partner spricht nur noch in kurzen, knappen Sätzen oder wiederholt einfache Wörter, weil ihm Sprache zunehmend schwerfällt.

3.Lewy-Körper-Demenz

Die Lewy-Körper-Demenz ist eng mit Parkinson verwandt. Sie zeichnet sich durch starke Schwankungen der Aufmerksamkeit, Bewegungsstörungen und visuelle Halluzinationen aus.

Typische Veränderungen:

  • Aufmerksamkeits- und Bewusstseinsschwankungen (von klar bis sehr verwirrt – innerhalb weniger Stunden)
  • Lebhafte visuelle Halluzinationen (oft Tiere oder Menschen)
  • Parkinson-ähnliche Bewegungsprobleme (Steifheit, Zittern, langsame Bewegungen)
  • Stürze oder Gleichgewichtsprobleme
  • Empfindlichkeit gegenüber bestimmten Medikamenten

Alltagsbeispiele:

Eine Person wirkt morgens völlig klar und unterhält sich normal und am Nachmittag scheint sie verwirrt und „weggetreten“, als hätte sie nicht geschlafen. Sie sieht Katzen im Raum, die nicht da sind, oder spricht mit „Besuchern“, die nur sie wahrnimmt. Diese Halluzinationen wirken oft sehr real und können Angst, aber manchmal auch Freude auslösen. Beim Aufstehen aus dem Sessel friert die Bewegung plötzlich ein, die Person steht wie „festgeklebt“.

Jede Demenzform bringt eigene Herausforderungen mit sich. Einige allgemeine Leitlinien helfen jedoch in allen Fällen:

  • Veränderungen nicht persönlich nehmen, es ist die Erkrankung, nicht der Mensch.
  • Routinen geben Sicherheit und Orientierung.
  • Ruhige Kommunikation und kurze, klare Sätze erleichtern vieles.
  • Unterstützung durch Fachstellen wie Memory-Kliniken, Demenzberatungen oder Selbsthilfegruppen kann entlasten.

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